Forschung

Die Forschung auf dem Gebiet einer der wichtigsten Schwerpunkte der Klinik, den Essstörungen, wurde auch im Jahr 2018 intensiv weitergeführt. Eine besondere Bedeutung hatte die Fortführung des Home Treatment-Projektes bei jugendlicher Anorexia nervosa. Bei diesem Projekt, das durch die Verwaltung des UKA´s sehr unterstützt wurde, werden Patienten nach 8-wöchiger stationärer Behandlung entlassen und die Behandlung durch ein multiprofessionelles Team unserer Klinik mit Ärzten, Psychologen, Ergo- und Ernährungstherapeuten (Organisation: Frau Dr. M.Sc. B. Dahmen) zuhause weitergeführt. Die vom Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes NRW geförderte Studie soll im nächsten Jahr ausgewertet werden. Das Projekt findet bei den Patienten und ihren Eltern großen Anklang, da sie sehr früh in ihr normales Leben zurückkehren können. Die ersten Ergebnisse weisen auf einen vielversprechenden Heilungserfolg bei diesen schwer kranken und zur Chronifizierung neigenden Patienten hin. Nach gelungenem Projektabschluss soll eine randomisierte Studie geplant werden.

Die 2013 gegründete Forschungsgruppe "Translationale Essstörungsforschung" von Herrn PD Dr. med. J. Seitz aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuroanatomie (Prof. Cordian Beyer) dem Institut für Versuchstierkunde (Prof. Rene Tolba) und dem Institut für Experimentelle Molekulare Bildgebung (Prof. Fabian Kiessling) im Grenzgebiet zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und den Neurowissenschaften. Herr PD Dr. Seitz und die PhD Studentinnen Linda Frintrop und Stefanie Trinh konnten auf der Basis eines erfolgreich abgeschlossenen START-Antrages das "Activity Based Anorexia" Rattenmodell erstmals am Aachener Uniklinikum etablieren. Dieses Modell wird nun benutzt, um die Auswirkungen der für Anorexia nervosa typischen Starvation und Wiederauffütterung auf Gehirnvolumen und -funktion bei adoleszenten Ratten zu erforschen. Hierbei konnte eine deutliche Reduktion des Gehirnvolumens und der Astrozyten, nicht aber der Neuronen im starvierten Gehirn nachgewiesen werden, die bei Gewichtsrehabilitation weitestgehend reversibel waren. Damit wurde erstmals eine Verbindung zwischen zellulären Veränderungen im Gehirn und dem starvationsbedingten Volumenverlust hergestellt, den wir in eigenen und metaanalytischen MRT-Studien nachweisen und publizieren konnten. Darüber hinaus wurde in einer 2018 abgeschlossenen entsprechenden longitudinalen (f)MRT-Studie mit Patientinnen die Auswirkung von Starvation und Östrogenmangel auf Lernen und Gedächtnis bei Anorexia Nervosa longitudinal beforscht. Das von der Schweizer Anorexia Nervosa-Stiftung bewilligte Forschungsprojekt, das pathogenetische Mechanismus bei männlicher Anorexia nervosa im Vergleich zur weiblichen Form untersucht, wurde vom PhD Studenten Jan Offermann fortgesetzt. Weitere Neuroimaging-Projekte zu mikrostrukturellen Veränderungen der grauen und weißen Substanz bei Bulimia Nervosa sind in Arbeit. Als neues Forschungsgebiet wurde 2017 durch START und Schweizer Anorexia Nervosa-Stiftung der Einstieg in die Mikrobiomforschung zusammen mit Prof. Pabst (Institut für Molekulare Medizin) und Prof. Clavel (Institut für Mikrobiologie) und Prof. Baines (Evolutionsmikrobiologie, Kiel), gefördert. Hier geht es translational um die Veränderung der Darmbakterien bei AN und ihre Interaktion mit der Darmwand, Entzündungsparametern sowie Gehirn- und Verhaltensveränderungen (Gut-Brain Axis). Die Gruppe ist 2018 auf 1 Habilitanden, 4 PhD-Studenten, 12 medizinische Doktoranden und eine Masterstudentin angewachsen. Auf der Basis dieser Vorarbeiten konnte mit Frau Prof. Herpertz-Dahlmann als Koordinatorin und Herrn PD Dr. Seitz als Co-PI ein europäischer ERA-NET NEURON Forschungsverbund zusammen mit Prof. Baines, Prof. Karwautz (Wien), Prof. Adan und Prof. von Elburg (Utrecht) und Prof. Fetissov (Rouen) eingeworben werden. Dieser umfasst eine Beobachtungsstudie zum Mikrobiom und zwei klinische RCT’s zur Wirkung von Probiotika und Omega-3 Fettsäuren auf das Mikrobiom bei AN im longitudinalen Verlauf über 1 Jahr mit jeweils entsprechenden Versuchen am Tiermodell inclusive Tier-MRT und optogenetischen Versuchsanordnungen, welches 2019 starten soll.

Gemeinsame Forschungsaktivitäten der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Prof. Herpertz-Dahlmann) und des Lehr- und Forschungsgebietes „Klinische Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters (Prof. Konrad) wurden im Bereich der Erforschung der weiblichen Störung des Sozialverhaltens und der frühen Mütter-Kind-Interaktion in Risiko-Dyaden fortgesetzt.  So konnte die vom BMBF nun seit 2012 kontinuierlich geförderte Studie zur Mutter-Kind-Interaktion von Teenage-Müttern (TEEMO) weitergeführt werden und die Kinder, die mittlerweile im Vorschulalter sind, umfassend hinsichtlich verschiedener Entwicklungsparameter und auch mit Hilfe bildgebender Verfahren (fNIRS) untersucht werden.  In einem 2018 neu bewilligten BMBF-Projekt wurde darüber hinaus die Finanzierung der erneuten Untersuchung der Kinder im Schulalter zugesagt, so dass sich hier longitudinale Daten einer Hochrisikostichprobe ergeben, die für die Analyse von Risiko- und Resilienzfaktoren von unschätzbarem Wert sind. Ferner wurde das in diesem Jahr vom BMBF bewilligte versorgungsnahe Interventionsprojekt (UBICA II), das die „Frühen Hilfen“ (eine Institution in Deutschland, die sich um junge Familien mit Problemen kümmert) in ihrer Arbeit durch unsere Supervision unterstützt, vorbereitet.

Das FP 7-EU-Projekt zur Erforschung von Störungen des Sozialverhaltens bei Mädchen wurde Anfang 2018 erfolgreich abgeschlossen. Es wurden zahlreiche hoch-gerankte Publikationen des Konsortiums unter Aachener Federführung oder Beteiligung erstellt und auf internationalen und nationalen Tagungen vorgestellt. Die Daten dieses europäischen Projektes finden nicht nur in der Fachgesellschaft, sondern wegen der hohen gesamtgesellschaftlichen Relevanz auch bei zahlreichen Stakeholdern im Gesundheits- und Präventionsbereich große Beachtung.