Dr. med. Berkan Kurt und Martin Reugels, M. Sc., aus der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Medizinische Klinik I) der Uniklinik RWTH Aachen sind mit dem Wissenschaftspreis der Kurt und Erika Palm-Stiftung 2026 ausgezeichnet worden. Die Deutsche Herzstiftung e. V. und die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V. (DGPR) würdigen damit ihre im European Heart Journal veröffentlichte Forschungsarbeit zur Bedeutung des hochsensitiven C-reaktiven Proteins für die kardiovaskuläre Risikovorhersage. Dr. Kurt nahm die Auszeichnung für die gemeinsam mit Martin Reugels, M. Sc., prämierte Arbeit im Rahmen der diesjährigen DGPR-Jahrestagung in Potsdam entgegen.
Die ausgezeichnete Arbeit mit dem Titel „C-reactive protein and cardiovascular risk in the general population“ entstand in der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. med. Florian Kahles an der Medizinischen Klinik I unter der Leitung des Klinikdirektors Univ.-Prof. Dr. med. Nikolaus Marx. Dr. Kurt und Herr Reugels teilen sich die Erstautorenschaft der Studie.
Chronische Entzündung als kardiovaskulärer Risikofaktor
Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden wesentlich durch etablierte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen beeinflusst. Zunehmend wird jedoch deutlich, dass auch chronische niedriggradige Entzündungsprozesse eine eigenständige Rolle bei der Entstehung atherosklerotischer Erkrankungen spielen. Dieses inflammatorische Risiko wird durch klassische Verfahren der kardiovaskulären Risikobewertung bislang nur eingeschränkt erfasst.
Das hochsensitive C-reaktive Protein, kurz hsCRP, ist ein standardisiert bestimmbarer und breit verfügbarer Marker der systemischen Entzündungsaktivität. Obwohl hsCRP seit vielen Jahren wissenschaftlich untersucht wird, wurde seine klinische Bedeutung für die Risikostratifikation bislang kontrovers diskutiert. Insbesondere war offen, ob der Biomarker über etablierte Risikofaktoren und bereits verwendete Risikomodelle hinaus relevante prognostische Informationen liefern kann.
Analyse von mehr als 448.000 Personen
Für die prämierte Studie wurden Daten von 448.653 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der UK Biobank ohne bekannte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung ausgewertet. Über einen Beobachtungszeitraum von mehr als 13 Jahren untersuchten die Forschenden den Zusammenhang zwischen hsCRP und dem Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse, kardiovaskulärer Todesfälle sowie der Gesamtmortalität.
Die Ergebnisse zeigen, dass höhere hsCRP-Werte unabhängig von etablierten Risikofaktoren mit einem erhöhten langfristigen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle verbunden sind. Dieser Zusammenhang bestand in unterschiedlichen klinischen Subgruppen und zeigte sich auch bei Personen, die keine klassischen modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren aufwiesen. Wiederholte Messungen über mehrere Jahre belegten zudem eine relevante zeitliche Stabilität des Biomarkers.
Darüber hinaus konnte die Integration von hsCRP die Risikovorhersage durch SCORE2, das in europäischen Leitlinien empfohlene Modell zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos, signifikant verbessern. Die Ergebnisse sprechen somit dafür, inflammatorische Aktivität künftig stärker als eigenständige Dimension in präventivmedizinische Konzepte einzubeziehen.
Über den Wissenschaftspreis der Kurt und Erika Palm-Stiftung
Mit dem Wissenschaftspreis der Kurt und Erika Palm-Stiftung zeichnen die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen wissenschaftliche Arbeiten von besonderer Bedeutung für die Prävention, Diagnostik und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Der Preis wird im Rahmen der Jahrestagung der DGPR in Potsdam verliehen.





