In der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen (Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Justus P. Beier) wurde erstmals in Deutschland eine patientenspezifische, individuell gefertigte und im 3D-Druckverfahren hergestellte Titanprothese des Mondbeins (Os lunatum) implantiert. Der Eingriff wurde von den Oberärzten Simon Reß und Dr. med. Astrid Bülow durchgeführt.
Das Prothesendesign wurde von den handchirurgischen Kollegen Dr. med. Mathias Häfeli (Kantonsspital Graubünden) und Prof. Dr. med. Philipp Honigmann (Handzentrum Nordwestschweiz AG) gemeinsam mit Geert Streekstra, Iwan Dobbe und Joris Oonk (Amsterdam UMC, Niederlande) entwickelt. In der Schweiz wurde die Prothese bereits erfolgreich bei einigen Patientinnen und Patienten eingesetzt. Mit der nun in Aachen erfolgten Implantation steht diese innovative Behandlungsoption erstmals auch in Deutschland zur Verfügung. Der Eingriff eröffnet neue Möglichkeiten für die operative Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Mondbeinnekrosen im fortgeschrittenen Stadium.
Maßgeschneiderte Prothese aus dem 3D-Drucker
Grundlage für die Herstellung der Prothese ist eine hochauflösende Bildgebung des betroffenen Handgelenks. Anhand dieser Daten wird die individuelle Anatomie präzise vermessen und anschließend eine passgenaue Titanprothese gefertigt. Form, Größe und Gelenkflächen des ursprünglichen Mondbeins werden dabei millimetergenau nachgebildet. Diese individuelle Fertigung ermöglicht eine deutlich physiologischere Wiederherstellung der Gelenkmechanik, als es mit standardisierten Implantaten möglich wäre.
Internationale Zusammenarbeit für innovative Implantatlösungen
Der Implantation ging eine enge Zusammenarbeit zwischen den Handchirurginnen und Handchirurgen der Uniklinik RWTH Aachen und dem Schweizer Entwicklerteam voraus. Auf Basis des in der Schweiz entwickelten Designs passte die Firma Medartis die Prothese exakt an die Anatomie des Aachener Patienten an. Die Herstellung des Implantats im 3D-Druckverfahren erfolgte durch das belgische Unternehmen CADskills mit Sitz in Gent, das auf patientenspezifische Implantatlösungen und den Titan-3D-Druck spezialisiert ist. „Die erfolgreiche Implantation ist Teil eines Behandlungskonzepts, das wir an unserer Klinik kontinuierlich für komplexe Erkrankungen und Verletzungen der Handwurzel und des Handgelenks weiterentwickeln“, erläutert Oberarzt Simon Reß. Ziel sei es, die Methode künftig weiteren Patientinnen und Patienten mit vergleichbaren Krankheitsbildern zugänglich zu machen und die Langzeitergebnisse wissenschaftlich zu begleiten.
Weiterentwicklung moderner handchirurgischer Therapien
„Bereits in Planung ist zudem die Implantation einer patientenspezifischen 3D-gedruckten Kahnbeinprothese. Damit werden wir unser Behandlungsspektrum für komplexe handchirurgische Erkrankungen weiter ausbauen“, ergänzt Oberärztin Dr. med. Astrid Bülow, die den Eingriff gemeinsam mit Simon Reß durchgeführt hat. Mit dieser ersten Implantation einer patientenspezifischen 3D-gedruckten Mondbeinprothese in Deutschland leistet die Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung patientenindividueller, additiv gefertigter Implantate in der rekonstruktiven Handchirurgie.








